AGS: Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der SPD

Dreikönigstreffen des NRW- Handwewrks in Düsseldorf

Veranstaltungen

Düsseldorf, 14.1.2016:  Der NWHT, der Nordrhein-Westfälische Handwerkstag hatte zum alljährlichen Dreikönigstreffen nach Düsseldorf eingeladen. Der Neujahrsempfang des NRW-Handwerks fand statt am 14.1.2016 in den Räumen der WGZ Bank, der Westdeutschen Genossenschafts-Zentralbank. Etwa 300 Gäste nahmen am Dreikönigsforum teil und wurden von NWHT-Präsident AndreasEhlert begrüßt.

Das Thema der traditionellen Veranstaltung lautete dieses Jahr:  „Revolutioniert die Digitalisierung das Handwerk?“

Am anschließenden Dreikönigsessen nahm auch Armin Laschet MdL (Staatsminister a.D. und Vorsitzender der NRWCDU teil. Er hielt die Tischrede, Thema: „Aufstieg durch Bildung und Arbeit- das Handwerk als Ort der Integration“.

„Seit alter Zeit wird am Dreikönigstag in Erinnerung an die Ankunft der Hl. Drei Könige mit ihren guten Gaben dem Wunsch Ausdruck gegeben, im kommenden Jahr möge Unheil von Haus und Hof ferngehalten werden“, so ein Text in der Einladung von Andreas Ehlert (Präsident NWHT) und  Dipl.- Volkswirt Josef Zipfel (Hauptgeschäftsführer). Präsident Ehlert übernahm die Begrüßung der Gäste und benannte die Digitalisierung als eine besondere Herausforderung für das Handwerk, sieht sie aber auch als Chance.

Die aktuelle Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft war anschließend auch das Thema der eingeladenen Podiumsgäste. Moderiert von Holger Steltzner, Herausgeber der FAZ, diskutierten Ralph Bombis MdL (Vorsitzende der Enquete-Kommisssion IV des NRW- Landtags), Dr. Oliver Grün (Präsident des Bundesverbandes IT- Mittelstand e.V. und Inhaber der Grün Software AG), Prof.Dr. Friedrich Hubert Essser (Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung) und Rüdiger Otto (Präsident der Baugewerblichen Verbände Nordrhein sowie Vizepräsident der Handwerkskammer zu Köln. Hier ein Auszug aus den Beiträgen:

Dr. Grün sieht zwangsläufig erfolgende Änderungen von Geschäftsmodellen durch die Digitalisierung. Als Beispiele nennt er die Hotellerie (Anbieterportale verfügen über keine eigenen Übernachtungsstätten) und den Mitfahrvermittler Uber (Ohne eigene Taxis). Beide Geschäftsmodelle verändern den Markt.

Prof. Esser beruhigt: Nicht alle Branchen werden gleichermaßen von der Digitalisierung betroffen sein!

Rüdiger Otto hat die Sorge, daß handwerkliches Tun entwertet wird.

Prof. Esser stellt fest, daß die Berufsbilder im Handwerk ständig an neue Anforderungen angepasst werden.

Ralph Bombis möchte die Belastung von Unternehmen durch Bürokratieabbau verringern, um mehr Zeit für die Auseinandersetzung mit Innovationen zu schaffen

Dr. Grün möchte den Kundennutzen in den Vordergrund stellen. Der Mehrwert durch Daten biete Informationen für die Befriedigung von Kundenwünschen.

Prof. Esser bemängelt das Fehlen von IT- Bildungsstandards für Schulen. Die seien Grundlage für die Anwendung neuer Technologien.

Ralph Bombis berichtet, das Weiterbildung auch Thema der Enquete- Kommission sei.

Es folgt eine Diskussionsrunde unter Einbindung der Gäste im Saal.

Andreas Ehlert befürchtet: Plattformen verändern den Wert der Arbeit. Das sei auf Dauer ein Problem für das Handwerk. Er stellt die Frage, ob dieser Prozess noch steuerbar sei.

Dr. Thomas Köster (Leiter Kompetenzzentrum Soziale Marktwirtschaft) ergänzt: Werden Marktverhältnisse verändert durch den unterschiedlichen Zugang zu Daten?

Dr. Grün antwortet, in Deutschland erfolge die Nutzung von Daten im Sinne von Innovation, Vernunft und Verantwortung. Das sei eine Stärke unseres Mittelstandes gegenüber der USA. Er regt die Schaffung einer eigenen Handwerker-Plattform für Angebote an, in einer Deutschen Cloud.  Das sei seriös und vertrauensvoll, unterliege dem deutschen Datenschutz und bringe so Wettbewerbsvorteile.

Diese Anregung und die Forderung nach IT- Bildungsstandards empfahl Holger Steltzner als Fazit der Veranstaltung zur Weiterverfolgung.

Zum Ende des Dreikönigsforums  faste  Hans-Joachim Hering (Vizepräsident des NWHT) die Beiträge der Veranstaltung noch einmal zusammen.

Bemerkung des Berichterstatters: Die Digitalisierung bedeutet für das Handwerk eher Evolution statt Revolution. Nicht alles machbare ist für den Konsumenten auch bezahlbar. Kreativität ist weiter gefragt und kann durch Digitalisierung nicht ersetzt werden.

Nach einem Empfang beginnt der zweite Teil der Veranstaltung, das „Dreikönigsessen“.

Zunächst erfolgt ein Auftritt  die Stern-Singer zu Ehren der Gäste, dann wird das Haus traditionsgemäß gesegnet.

Es folgt ein Grußwort von  Hans-Bernd Wollberg, dem Vorstandsvorsitzenden der WGZ- Bank. Die WGZ- Bank eemöglicht durch ihre Gastfreundschaft seit fast 30 Jahren den Neujahrstreff des NWHT. Wollberg spricht zur Weltlage, zur EU- und zur Flüchtlingproblematik. Zukunftsfragen seien nur durch mehr Europa lösbar. Wollberg sieht die Banken im Würgegriff einer aus den Fugen geratenen Regulierung.Trotzdem sieht er positiv in die Zukunft.

Es folgt die Tischrede von Armin Laschet MdL (Staatsminister a.D. und Vorsitzender der NRWCDU). Sein Thema lt. Einladung: "Aufstieg durch Bildung und Arbeit - das Handwerk als Ort der Integration"

Armin Laschett sieht den Jahreswechsel als Gelegenheit zum innehalten und nachdenken. Auch er läßt Ereignisse im Jahr 2015 Revue passieren: Die Euro- Krise als Folge einer Krise der Finanzmärkte, die Ukraine- Krise und die Flüchtlings- Krise. Zu letzterer merkt er an, dass die Kernfrage sei, wie man nur den Schutzbedürftigen helfen könne. Ein Einwanderungsgesetz sei nötig.

Seine Lösungsvorschläge zur Eindämmung des Zuzugs sind:

International: Schutz der Griechischen Außengrenze, Bekämpfung des Schleppertums, Verbesserung der Verhältnisse in den Herkunftsländern. Außerdem müsse für bessere Verteilung von Flüchtlingren in der EU gesorgt werden.

Innenpolitisch fordert Laschet ein Abschiebemanagement und eine zentrale Erstaufnahme.

Kurz geht Laschet auch auf das angekündigte Thema seiner Tischrede ein: Das Handwerk lebe Integration, die Duale Ausbildung könne ein Integrationsmodell sein. Erfahrene Meister möchte Laschet als Berufsschullehrer gewinnen.

Es folgen scharfe Angriffe auf die NRW- Landesregierung, u.A. bemängelt der NRWCDU-Chef die Durchsetzung von Recht in NRW.

Der Rede von Armin Laschet folgt das Dreikönigsessen des NWHT.

Bemerkung des Berichterstatters:

Die Rede des NRWCDU- Chefs kann man in drei Blöcke einteilen:

Block I: Ein rethorisch wie inhaltlich gelungener Jahresrückblick auf wichtige Themen

Block II: Das große Loblied auf die Kanzlerin als alleinige Garantin für Frieden und Fortschritt

Block III: Agitation und Propaganda. Laschet, im Dauer- Wahlkampfmodus befindlich,  missbraucht seine Redezeit zu einer Generalabrechnung mit der Landesregierung.

Fazit: Block II hätte etwas mehr Objektivität gut vertragen. Auf Block III hätte er, dem Anlass seines Vortrags entsprechend,  verzichten sollen. Das vorgegebene Thema streift Laschet nur kurz. Schade! Aber der sonst gelungenen Veranstaltung tat das keinen größeren Abbruch.