AGS: Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der SPD

Pressenotiz "Akademisierungswahn

Impuls- Statement von Dr. Köster

Pressenotiz:

„Akademisierungswahn“ unterminiert die duale Berufsbilung in Deutschland – Gesellschaftlicher Aufstieg über duale Berufsbildung verhindert Klassengesellschaft in Deutschland. - Impuls-Statement von Dr. Thomas Köster (Kompetenzzentrum Soziale Marktwirtschaft des NRW-Handwerks) bei der Veranstaltung der Sekundarschule Straelen/Wachtendonk am 11.01.18 in Straelen

Schon vor Jahrzehnten hat das Handwerk – so ruft Thomas Köster in Erinnerung - vor der Gefährdung der beruflichen Bildung durch eine überzogene Bildungsexpansion gewarnt. Zwar habe die in den 1960er Jahren realisierte Abiturientenquote am Altersjahrgang von ca. 7 Prozent auf Dauer nicht genügen können. Aber die heute erreichte und ständig weiter steigende Abiturientenquote von zur Zeit 40 Prozent unterminiere die duale Berufsbildung. Immer größere Teile eines Altersjahrgangs würden durch den „Akademisierungswahn“ an den gewerblich-technischen Berufen vorbeigeführt.

Köster weist darauf hin, dass 100.000 Betriebsinhaber in den nächsten fünf Jahren altersbedingt einen Nachfolger suchten. Gleichzeitig blieben immer mehr Lehrstellen im Handwerk unbesetzt. Der sich dadurch verschärfende Fachkräftemangel werde zum größten Wachstumsproblem der mittelständischen Wirtschaft und gefährde den Wohlstand in Deutschland.

Um hier eine Änderung herbeizuführen, müsse der Wert der dualen Berufsbidung ganz anders ins öffentliche Bewußtsein gehoben werden. Köster verdeutlicht den hohen Wert der dualen Berufsbildung anhand folgender Argumente:

 

  • In der dualen Berufsbildung werden die Lehrlinge in die Leistungserstellung für die

Kunden einbezogen. Dadurch ist die Ausbildung nah am Bedarf der Nachfrager. Diese Kundennähe macht dem Arbeitgeber die Übernahme der erfolgreichen

Gesellenprüflinge in ein Beschäftigungsverhältnis leicht. Als Ergebnis hat Deutschland eine der niedrigsten Jugendarbeitslosenquoten in Europa.

 

- Die duale Berufsbildung lebt von einer klug ausbalancierten Partnerschaft zwischen

Wirtschaft und Staat. Die Betriebe sind die Ausbilder. Der Staat sorgt als Regel-

setzer mit Unterstützung der Sozialpartner und des Bundesinstituts für Berufliche

Bildung für die Ausbildungsordnungen. Bei den Berufskollegs ist der Staat Mit-

spieler. Als dualer Partner ist er dort außerordentlich wichtig. Aber er dominiert

nicht. Auf diese Balance kommt es an.

 

- Zehntausende von ehrenamtlichen Prüfungsausschussmitgliedern aus den Betrieben

engagieren sich für die duale Berufsbildung. Über eine solche ehrenamtliche Infra-

struktur verfügt kein anderer Bildungsbereich.

 

  • Duale Berufsbildung sorgt dafür, dass das Erfahrungswissen der Meister und Facharbeiter-Schicht am Markt das Theorie-Wissen von Hochschulabsolventen flankiert. Das bringt „Erdung“ für akademische Spezialisten und ist ein ent-

scheidender Baustein für die deutsche Qualitäts- und Soliditätskultur.

Dies ist die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand in Deutschland.

 

- Duale Berufsbildung ermöglicht für nicht-akademische Bevölkerungsschichten ge-

sellschaftlichen Aufstieg. Ohne duale Berufsbildung bliebe das Aufstiegsver-

sprechen der Sozialen Marktwirtschaft leer. Vor allem wegen der Aufstiegsmög-

lichkeiten über die duale Berufsbildung haben wir keine Klassengesellschaft in

Deutschland.

 

Das Lob der dualen Berufsbildung bedeutet nach Köster nicht, Reformnotwendigkeiten zu verkennen:

  • Die Abitur und Uni-Fixierung von Eltern müsse u.a. durch großangelegte Öffent-

lichkeitskampagnen aufgebrochen werden.

  • Keine Bildungssackgassen bei dualen Bildungsgängen !
  • Arbeits und Entlohnungsbedingungen müssen bei dual Ausgebildeten mit der Perspektive der Meisterqualifikation gegenüber Bachelor-Vergütungen wett-

bewerbsfähig werden. Hier vollziehe sich im Augenblick ein eklatanter Wandel.

  • Die Ausstattung der Berufskollegs ist zu verbessern.

 

Köster schloss seine Ausführungen mit der Bewertung, dass die Krise der expansiven Bildungspolitik der dualen Berufsbildung eine neue Chance verschaffen werde.